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Der Begriff „disruptiv“ wird auffallend häufig falsch gebraucht. Doch nicht, wenn es um Blockchain geht.

Viele Menschen sind mit dem Blockchain-Konzept noch nicht vertraut, obwohl es laut Gartner das 'nächste große Ding' schlechthin werden soll. In der Tat soll diese Technologie anscheinend die Welt in einer Weise verändern, die die meisten von uns niemals für möglich halten würden. Dieser Blog befasst sich mit den vier disruptivsten Aspekten des Blockchain-Konzepts. Aber zuerst sollten wir darüber sprechen, was die Blockchain eigentlich ist...

Eine kurzer Überblick zur Blockchain

Die Blockchain tritt gerade aus dem Bitcoin-Schattenbereich hervor und soll einfach alles revolutionieren: von Kampf gegen den Menschenhandel bis hin zur Schaffung von Technologie-Hubs in Schwellenländern. Als Technologie soll sie für eine Demokratisierung des Vertrauens sorgen – ein Modell, das bei Unternehmen zu einer komplett neuen Sicht auf den Abschluss von Transaktionen führen kann. Sie wirft unsere bestehenden Vorstellungen davon über Bord, wie Organisationen und Einzelpersonen interagieren können: Anstatt wie bisher einen Prozess oder eine Transaktion nur durch eine zentrale Stelle genehmigen zu lassen, wird die Verantwortung der Genehmigung bei der Blockchain auf mehrere Computer verteilt.

Das Weltwirtschaftsforum geht davon aus, dass bis 2025 mindestens 10 Prozent des globalen BIP auf Blockchain-Plattformen gelagert werden. Das Konzept wird aus der Bitcoin-Grauzone heraustreten und sich bis in Hauptbereiche aller wirtschaftlichen Aktivitäten verbreiten. So haben die Fondsmanager von Rathbones geschätzt, dass die Blockchain bis 2022 allein im Finanzsektor einen Wert von 80 bis 110 Milliarden US-Dollar generieren könnte (McKinsey, 2017), während sich bei grenzüberschreitenden Zahlungen pro Jahr Kosteneinsparungen von 15 bis 20 Milliarden US-Dollar erzielen ließen (Santander InnoVentures, 2015). Das hört sich doch schon eher wie „das nächste ganz große Ding“ an.

Laden Sie die vollständige Infografik mit dem Knopf am Ende des Artikels herunter.

Die möglicherweise größten Auswirkungen wird die Blockchain weltweit auf einer sehr menschlichen Ebene haben. Für Menschen, die ausgegrenzt und am Rande der Gesellschaft wirtschaftlich oder sozial benachteiligt sind, bietet die Blockchain eine Möglichkeit zur Teilhabe an Prozessen oder Transaktionen, als würden sie im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Und es ist genau dieser Paradigmenwechsel, der uns zu unseren vier disruptiven Trends führt:

1. Rettungsanker für die Ausgegrenzten

Laut einer aktuellen Studie unter Flüchtenden sehen diese ihr Mobiltelefon als ihren wichtigsten Besitz an – es ist für sie das wichtigste Verbindungsglied zu ihrer Vergangenheit und zu ihrer Zukunft. Technologie schafft selbst für diese marginalisierten Menschen neue Möglichkeiten, und die Blockchain wird diesen Prozess beschleunigen. Sie wird mittlerweile zu den Technologien mit der größten disruptiven Wirkung gezählt, von einigen Kommentatoren wird ihr Potenzial sogar mit der Erfindung des Internets verglichen. Der peruanische Wirtschaftswissenschaftler Hernando de Soto meint, dass die Blockchain ein Haupthindernis für die Entwicklung in den Schwellenländern beseitigt. Er erklärt, dass die arme Bevölkerung von normalen wirtschaftlichen Chancen ausgeschlossen ist, weil entweder die Dokumentationssysteme in den Ländern nicht zuverlässig sind oder die Bevölkerung kein Vertrauen in die Stellen hat, welche die Daten über sie erheben. Ein Beispiel hierfür ist die Erstellung eines sicheren Landbesitzverzeichnisses, das es Einzelpersonen ermöglicht, ihre Ansprüche an Land geltend zu machen und zu verteidigen. Und dieses Konzept kann auch auf andere Vermögenswerte ausgeweitet werden, was dafür sorgen wird, dass die Menschen ihre Rechte wahrnehmen und ihr Eigentum schützen können. In Konfliktregionen und Gebieten mit weniger auf sozialen Ausgleich bedachten Regierungen kann das entscheidend sein, um die Kluft zwischen arm und reich zu verringern.

2. Kampf gegen Menschenhandel

Trotz ihres Ursprungs in der Absicherung der Bitcoin-Währung geht es bei der Blockchain nicht nur um Geld. So nutzt Microsoft gemeinsam mit seinen Partnern Blockstack Labs und ConsenSys das Blockchain-Konzept zur Bekämpfung des Menschenhandels. Mehr als 1,5 Milliarden Menschen weltweit verfügen über keine richtigen Ausweispapiere, ein Problem, das von Tag zu Tag zunimmt. Damit sind diese Menschen besonders gefährdet durch Verbrechen wie Menschenhandel, da sie aufgrund ihrer mangelnden Rückverfolgbarkeit sehr leicht verschleppt werden können. Die Lösung heißt „selbst-souveräne Identität“. Damit können Einzelpersonen auf dem Blockchain-Prinzip basierende Systeme nutzen, um ihre Identität registrieren zu lassen, wo es kein zentralisiertes System zur Authentifizierung gibt. Die umfassende Einführung einer derartigen Möglichkeit kann damit verknüpft werden, diesen großen Menschenmengen, die in einer zunehmend digitalisierten Welt ansonsten buchstäblich unsichtbar wären, echte Chancen zu erschließen. Mit der immer engeren Verknüpfung von biometrischen Daten mit Identität und Zugriffsrechten ist eine Welt vorstellbar, in der alle Menschen über einen physischen und digitalen Identitätsnachweis verfügen, was bedeutet, dass sie nicht einfach „aus dem Raster fallen“ können. Damit nimmt Technologie eine wesentliche Stellung beim Schutz der Menschenrechte ein.

3. Verbesserung von Regierungstätigkeit und Corporate Governance

Angesichts der Fülle an Möglichkeiten, die sich aus der Blockchain ergeben, investieren Regierungen auf der ganzen Welt in die Forschung auf diesem Gebiet. Die estnische Regierung ist Spitzenreiter, wenn es darum geht, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Durch ein auf der Blockchain basierendes System der Unterschrift per Chip können die Bürger jetzt die Datensätze überprüfen, die von der Regierung über sie geführt werden. Doch die Möglichkeiten sind viel weitreichender als die Sicherstellung korrekter personenbezogener Daten. Es gibt auch Pläne, das im Aufbau begriffene System der elektronischen Standesämter (e-Residency) mit der Blockchain-Technologie zu verknüpfen. Ein in Zusammenarbeit mit der Nasdaq entwickeltes Pilotprogramm nutzt die Blockchain, um den künftigen Umgang von Unternehmen mit der Shareholder Governance zu modernisieren, wodurch Estland zu einem immer anspruchsvolleren Investitionsstandort wird. Bei allen Unternehmen, die an der Tallinner Börse notiert sind, können sowohl die Bürger Estlands als auch die e-Residents jetzt während der Hauptversammlung ihre Stimme elektronisch abgeben. Während vom e-Residency-Programm überprüft wird, wer seine Stimme abgibt, sorgt die Blockchain für die sichere Aufzeichnung der Stimmen – und das viel schneller, als es mit den bisherigen Verfahren möglich ist. So wird es Unternehmen erleichtert, mit Investoren aus anderen Ländern zu interagieren.

4. Beenden von Betrug und Verschwendung

Ein Ziel der Blockchain ist es, bisher verschleierte Vorgehensweisen in bestimmten Branchen einsehbar zu machen. Damit wird die Technologie revolutionäre Auswirkungen haben, beispielsweise bei den Lieferketten. Angesichts des multinationalen Charakters der heutigen Unternehmenswelt werden auch die Lieferketten zu immer weiter verzweigten Netzwerken, die sich über zahlreiche Länder und Kontinente erstrecken. Damit lässt sich auch die Echtheit eines Produkts immer schwieriger verfolgen, bevor es letztendlich in die Hände der Verbraucher gelangt. Die Blockchain will dieser Komplexität entgegenwirken. Sie sorgt für Transparenz, Sicherheit und Nachvollziehbarkeit, was nicht nur dazu beiträgt, den Wert der Güter zu schützen, sondern auch Organisationen in die Lage versetzt, schlechte Praktiken offenzulegen und Probleme wie Betrug oder negative Umweltauswirkungen über die gesamte Lieferkette hinweg zu bekämpfen. Laut PwC wird diese umwälzende Wirkung noch durch die Entwicklung sogenannter Smart Contracts unterstützt, die eng mit der Blockchain verknüpft sind. Damit wird die Technologie „nicht mehr nur als Basis einer digitalen Währung wahrgenommen, sondern als digitale Grundlage des gesamten Geschäftsablaufs“.

Widerstand zwecklos

Die Bedeutung des Blockchain-Konzepts geht weit über reine Dollarzahlen hinaus. Die Blockchain wird Transaktionen im Milliarden-Dollar-Bereich ermöglichen, aber auch einige der progressivsten Technologietrends – wie kognitive Analyse und das Management und die Sicherheit des Internet der Dinge (IoT) – könnten sich auf diese Technologie stützen. Doch die Blockchain ist gleichzeitig ein Mechanismus, mit dem Technologie das Leben der Menschen grundlegend umwälzen kann, der die heute vorherrschende sozio-ökonomische Landschaft verändern wird. Damit werden sich Regierungstätigkeit und Corporate Governance sowie der Umgang mit den einzelnen Bürgern verbessern. Was eine Kombination mit enormen Auswirkungen ist.

Die Blockchain wird ganz eigene Anforderungen an die Unternehmens-IT und die zugrundeliegende Infrastruktur stellen. Konnektivität, Speicherkapazität, Ausfallsicherheit, Latenz und Sicherheit von dezentralen Standorten werden sicher in vielen Organisationen genug Anlass zum Nachdenken geben. Doch wie bei den meisten digitalen Innovationswellen wird voraussichtlich die Nachfrage der Verbraucher die entscheidenden Impulse dafür liefern, das sich Organisationen diesen Problemen stellen. Und diejenigen, die meinen, die Blockchain ignorieren zu können, tun dies auf eigene Gefahr. Zwar stehen wir gerade noch am Anfang dieser neuen Technologie, doch jetzt ist der Zeitpunkt, wo sich IT-Experten klar dazu äußern sollten, wie die Blockchain die Flexibilität von Unternehmen steigern kann.

Ob die Blockchain die Welt so stark wie das Internet revolutionieren wird, ist noch nicht klar. Doch sie wird zu erheblichen Veränderungen führen – und zwar nicht nur in der Art und Weise, wie wir Geschäfte machen, sondern auch wie unsere Beziehungen innerhalb unserer lokalen und globalen Gesellschaft aussehen werden.

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